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April 9, 2011Fastfood-Junkie meets Gourmet-City

Ob das Frühstück gut war, frage ich den Franzosen der gerade zurück ins Hostel-Zimmer kommt. “Amerikanisch” meint er lächelnd. Ich verstehe was er damit sagen will, zahle die 6$ für das Petit Déjeuner aber doch, den so ein amerikanisches Frühstück hat durchaus auch seine guten Seiten.

Ich bewege mich zum Buffet und entscheide mich die beiden verschiedenfarbigen Kartonscheiben, welche hier auch als vorgeschnittenes Brot bezeichnet werden, liegen zu lassen und stapel mir zwei Beagles auf den Teller. Auch Beagles bestehen in Kanada aus Karton, nur erinnert ihre Form etwas an einen Donut, weshalb sie meine Psyche mehr ansprechen.

Getoastet oder ungetoastet? Ich entscheide mich für ungetoastet und packe möglichst viel Philadelphia auf meinen Teller um die beiden Beagles darin zu begraben. Schmatz, schmatz, schmatz! Weg sind die Beagles und Appetit auf mehr habe ich nicht, womit wir bei der guten Seite sind. Das dies aber keine Variante zum Abnehmen ist, beweisen die nördlichen Nachbarn Kanadas exzellent.

Mein Frühstück-Erlebnis ist schon mehr als ein Monat alt und ich habe mich an die Beagles und die anderen Essgewohnheiten der Québecer gewöhnt. So kenn ich nun auch die OLMA-Bratwurst von Québec. Poutine nennt sich die Speise und ist nichts anderes als ein Haufen Pommes, mit speziellem quietsch Käse und Bratensauce. Hört sich nicht gerade nach Gourmetküche an, schmeckt aber unheimlich lecker. Poutine ist in Québec sehr populär, nicht nur unzählige Restaurant bieten das Gericht an, auch der gute alte McDonald hat die Speise auf die Dauerkarte übernommen (Auch wenn die Spezialität neben dem DOUBLE Big Mac öfters ignoriert wird, zumindest von mir). Besonders beliebt ist die Poutine Samstag Nachts gegen drei Uhr, wenn alle Clubs schliessen und die Besucher auf die Strasse jagen. Viele von ihnen suchen dann den nächsten Ashton (Poutine-Fastfood-Kette) auf und futtern eine Pommes-Käse-Bratensauce-Mahlzeit, ich jeweils vorne mit dabei ☺.

Da ich aber weder eine Fastfood-Diät anstrebe noch das Portemonnaie für das Feinschmecker-Lokal habe, beginnt ein kanadisches Essen öfters mit dem Besuch eines Supermarkts. Einkaufen ist in Nordamerika eine Erlebnis für sich und für einen Europäer gar nicht so einfach sich im Produktewirrwarr zurechtzufinden. Grundsätzlich sind alle Produkte mindestens doppelt so gross, alle Packungen so schrill wie der Timesquare bei Nacht und kaum ein Produkt kommt ohne extra Vitamin, extra Protein, extra Irgendetwas aus. Ob das Extra dann auch gesund ist mehrheitlich irrelevant, extra ist extra und somit diskussionslos besser als das ohne Extra. Hinzu kommen die etwas gewöhnungsbedürftigen Verpackungen: Bratensauce in der Dose und Milch im vier Liter Plastiksack, um spontan zwei zu nennen.

Neben dem Sortiment wären da noch die strikten Regeln meiner Mitbewohnerinnen. Was nicht „on sale“ ist ist grundsätzlich nicht erwünscht. Natürlich gibt es eine Ausnahme: Zehn Dollar für eine Handvoll Ahorn-Sirup sind ok. Das ich für diesen Preis zwei Flaschen Pingu-Sirup in der Migros bekomme, akzeptieren die Girls nicht als gerechtfertigten Vergleich und bezeichnen mich als Demütiger der kanadischen Esskultur.

Auf die Frage ob ich die 1% oder 2% fetthaltige Milch bevorzuge antworte ich mit „fetter better“ und schiele zum König der Milchtüten welche mit gnadenlosen 4% Fett ausser Konkurrenz steht. Mein Einfluss auf den Einkauf habe ich somit verspielt und ich konzentriere mich von nun an auf das Ziehen und Schieben unseres halbwüchsigen Einkaufswagen.

Einen Kühlschrank haben wir in der WG nicht, ich würde den massiven Kasten in der Küche eher als Kühlraum bezeichnen. Spätestens nach dem Einkaufen ist aber auch mir klar, warum die Nordamerikaner ein Flair für überdimensionale Kühlschränke haben, irgendwo müssen sie ja die übergrossen Errungenschaften verstauen. Lässt man den Kühlschrank etwas zu lange offen, kann es schon vorkommen, dass das Licht etwas dimmt und so die Jogurt-Auswahl zu einem durchaus romantischen Erlebnis wird.

Kochen bleibet auch in den westlichen Längengraden Kochen, darum will ich dazu keine Worte verlieren. Ich mach mir jetzt einen Guten-Morgen-Beagle, getoastet, soviel habe ich dazugelernt.

Kommentare

10. April 2011 13:35:53Patrick Fürer

Hey poffezki, gratulation! gueti siite und dä inhalt passt au, i mue jo gernüme id feeri weni din blog läs… ;)


14. April 2011 12:02:45badrockar

“Lässt man den Kühlschrank etwas zu lange offen, kann es schon vorkommen, dass das Licht etwas dimmt und so die Jogurt-Auswahl zu einem durchaus romantischen Erlebnis wird.” Grosses Literaturkino. Und schöner Blog.


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