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Mai 20, 2011City Review – Detroit, USA

Detroit Ortsschild

„6 Uhr 30, die Stadt liegt im Nebel. Der Dampf quirlt aus den Schächten auf der Strasse. Ich komme mir vor wie in einem Spiderman Film, kurz bevor der Bösewicht auftaucht. Die engen Gassen und die mehrheitlich schwarzen Gesichter bestätigen mein Gefühl.

Es war eine lange Busfahrt, die längste die ich bis anhin erlebt habe. Mit einem Rideshare ging es am morgen um 9 Uhr in Québec los. Von Montreal aus war dann der Greyhound für meinen Transport verantwortlich. Von Montreal nach Ottawa in drei Stunden, von Ottawa nach Toronto in sechs Stunden und von Toronto nach Detroit nochmals sechs Stunden. Das schöne an dem weit verhassten Greyhound ist, dass man sich immer irgendwie unterhalten kann. Sei es der Herr, welcher in voller Lautstärke seine Gangsta-Rap CD anhört und sich durch nix und niemanden beeinflussen lässt. Die Schlägerei zwischen ihm und einem anderem Reisenden lag eigentlich schon in der Luft, als sich little Eminem doch noch zusammen nahm und die Musik etwas runterdrehte. Angenehmer war das Gespräch mit einem Sikh-Anhänger. Das erste Gespräch über Religion, dass ich ohne grosse Kritik über mich ergehen lassen konnte. Drei Stunden Kultur- und Religionsunterricht der feinsten Art. Oder auch das Gespräch mit der schwarzen Dame aus Äthiopien. Hört sich schräg an, aber wann spricht man schon mit einer Schwarzen? Achtung, nicht falsch verstehen, aber in der Schweiz ergibt sich diese Gelegenheit nun wirklich selten (zumindest in der Deutschschweiz). Sie war eine Frohnatur mit einem guten Humor. Nur laberte sie etwas zu viel. Drei Uhr Morgens interessiert es mich nun wirklich nicht wie viele Kinder ihre Cousine hat. Egal, sie hatte Freude am erzählen und ich nickte etwas im Takt. Am Zoll dann die übliche Prozedur. Amerikanische Zöllner die irgendwie versuchen dich als Illegal, Verbrecher oder einfach als Idiot abzustempeln, während dem du den braven Touristen spielst (oder bist).

Cheeseburger mit Pommes um neun Uhr, plus einen grossen Kaffee. Ich bin im Amerikanischen Lifestyle angekommen. Ich fühle mich etwas wie Captain America, jedenfalls voll Energie vor Freude endlich wieder „on the road“ zu sein. Mein Couchsurfer-Host konnte ich noch nicht erreich. Egal, mein Gepäck liegt im Schliessfach und die Stadt mir zu Füssen. Let’s have a walk through Detroit, through Rock City!

Ich habe Detroit an einem herrlichen Tag erwischt. Der Morgen war grau und neblig, der Nachmittag hell, wolkenlos, warm und sonnig. Aus dem grauen, kalten Norden kommend genoss ich das Wetter, die grünen Bäume und die aufgestellten Bewohner. Ich hätte wahrscheinlich unter diesen Umständen in vielen Städten einen wunderbaren Tag erlebt.

Trotzdem, Detroit ist und bleibt ein besondere Juwele wenn ich zurück an die Zeit in den Staaten denke. Schliesslich hat die Stadt nicht soviele Übernamen, weil langweilig und öde ist. The Motor City, Motown, Hockeytown, Rock City, The D alles Namen für die amerikanische Stadt welche durch einem Tunnel mit Kanada verbunden ist. Detroit prägen neben der Musikerfolgsgeschichte vor allem zwei Dinge:

  • Detroit ist das Zentrum der amerikanischen Automobilindustrie. Eine Erfolgs- und Leidensgeschichte zugleich. Die Auswirkungen von General Motors, Ford und Chrysler (alle ansässig in Michigan) lockte seiner Zeit viele Arbeitskräfte an, ist aber genauso Verantwortlich dafür, dass Detroit Heute nicht mehr halb soviel Einwohner wie während den Fünfzigerjahren zählt.
  • Das Stichwort “Afroamerikaner” passt ebenfalls zu Detroit. Detroit war im 19. Jahrhundert als Tor zur Freiheit bekannt. Hier retten sich tausende Sklaven über den Detroit River in Richtung Kanada. In Kanada war die Sklaverei bereits verboten. Immer wieder trifft man in der Stadt auf Monumente, die die damit verbundene Personen ehrt. Später waren es die freien Afroamerikaner, die der boomenden Autoindustrie nicht wiederstehen konnten und in Detroit ihr Glück suchten. In Detroit sind auch Heute ganze 82% der Bevölkerung Afroamerikaner!

 

Musik

“Detroit Rock City!” ist einer der berühmtesten Songs der amerikanischen Band Kiss. Eigentlich würden aber die Bezeichnungen “Detroit Techno Ghetto”, “Detroit HipHop Hood” oder “Detroit Soul Place” viel besser die musikalische Seele der Stadt beschreiben. Detroit giltet als Geburtsort des Technos und war eine der treibenden Kräfte in der Soulszene – besonders durch das Label Motown.

Eminem

Detroit ist die Geburtsstadt des Technos, aber im kommerziellen Bereich hat nach meiner Einschätzung ein anderes Genre das Zepter in der Hand. Detroit ist nämlich auch eine Hip-Hop-Hochburg. Berühmte Rapper wie Xzibit und Obie Trice haben in Motown ihre Wurzeln. Der Star der Szene ist aber Eminem, der erfolgreichste weisse Rapper unserer Zeit. Spätestens seit dem Film “8 Miles” weiss man auch wo Eminem Zuhause ist. Hier das passende Featuring:


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The White Stripes‬

Ein weisser Streifen in dem mehrheitlich afroamerikanischen Detroit? Eine unverwechselbare Band mit vielen grossartigen Liedern. Leider gaben die beiden Anfangs dieses Jahres die Auflösung der Band bekannt. Das Duett ist also Geschichte, Songs wie “Seven Nation Army” werden uns aber noch lange erhalten bleiben (“Ich kanns nicht mehr hören ;)”).


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Kid Rock

Er verteidigt die Bezeichnung “Rock City” seit Jahren. Mit seinem “Sweet Home Alabama”-Abklatsch schafft er es 2008 an die Spitze aller grossen Charts. Nicht wirklich mein Ding der Herr Rock, aber durchaus einer der Grossen aus Detroit.


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Cybotron

Eines der wichtigstens Duetts in der Anfangszeit des Detroit-Technos.

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 Funk Brothers

Soul  – die Popmusik der Afroamerikaner – entstand in verschiedenen Region der USA. Eine der massgebenden Orte war Detroit, wo der Motown-Soul entstand. Die Funk Brothers war die Label eigene Band und das Flackschiff der lokalen Soulszene.


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Quelle: Wikipedia.org

Kommentare

6. Oktober 2011 09:59:58Michael

Ich fand Detroit eher beängstigend. Uns haben die Amis gleich davor gewarnt und wir sollen vor der Kriminalität vorsichtig sein etc. Na wahrscheinlich waren wir da auch gleich etwas voreingenommen. Wie lange warst du denn da?


11. Oktober 2011 09:43:08Itchyfeed

Ich war nur zwei Tage da, aber sehr intensiv unterwegs. Ich finde beängstigend nicht das richtige Wort: Klar ist Detroit im Vergleich zu den bekannten Grossstädten im Osten der Staaten ziemlich unterschiedlich. Die mehrheitlich schwarze Population und der Kontrast zwischen herabgekommenen, ungepflegten Bauwerken und den modernen Hochhäuser fand ich eher spannend als beängstigend. Ich erlebte die Bevölkerung als sehr gastfreundlich und offen. Kann mir aber sehr gut vorstellen, dass Detroit Geschmackssache ist.


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