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April 21, 2012Colombia Curiosa – Eigenheiten aus Kolumbien

Andere Länder, andere Sitten. In Albanien sagt man “ja” und schüttel zugleich den Kopf, in England herrschft Linksverkehr und in der Schweiz essen wir Apfelmus zu Pasta und Käse. Hier einige Eigenheiten und Kuriositäten aus Kolumbien:

1. Ich beginne mit leichter Kost. Das ÖV-Konzept in Bogota ist etwas Besonderes, aber nicht wirklich kurios. Transmilenio nennt sich das spezielle Bussystem, das sich inzwischen auch in anderen Städten Südamerikas bewiesen hat. Die Transmilenio ist der grosse Bruder der vielen kleinen Busse, welche ohne konkrete Haltestellen, ohne Fahrplan, dafür masslos überfüllt durch den chaotischen Verkehr tuckern. In solchen Städten freut man sich über die U-Bahn, welche einem ohne Stau sicher an das andere Ende der Stadt bringt. Unter anderem wegen den hohen Kosten musste sich Bogota was anderes ausdenken. Das Resultat sind spezielle Busse, welche auf reservierten Fahrspuren dem Verkehrschaos entkommen. Wer knapp einen Franken bezahlt, kann die Haltestelle betreten und soweit und solange er will im Busnetz herumkurven. Expressbusse, die nur an wichtigen Haltestellen stoppen, sorgen für weitere Zeitersparnisse. Der Erfolg des Systems ist nicht wegzudiskutieren, besteigen doch stündlich über 175’000 Leute einen der 1290 Busse. Trotzdem eines bleibt: Auch die Transmileniobusse sind während den Stosszeiten bis auf den letzten Quadratzentimeter vollgepackt.

2. Wir bleiben beim Verkehr und widmen uns dem Auto. Wie fast überall ist auch in der Hauptstadt Kolumbiens das Auto ein Statussymbol und zugleich ein ewig diskutiertes Problem. “Es gibt einfach zu viele davon”, dachten sich auch die Erfinder der nächsten Merkwürdigkeit. Die Lösung schien schnell gefunden zu sein. Dinge die man nicht will, verbietet man einfach. Und so darf man sein Auto seit einigen Jahren nur noch an drei Tagen zwischen sechs und acht Uhr benutzen. Mister X fährt nun also während drei Tagen mit dem Auto zur Arbeit und nimmt während den restlichen Tagen den Bus bzw. die Transmilienio. Problem gelöst. Die Autoliebhaber haben aber einen anderen Lösungansatz: Wer zwei Autos hat, kann an sechs Tagen fahren. Hört sich dumm an, ist aber die Realität im Verkehrsmoloch Bogota.

3. Hat euch jemals jemand gefragt was ihr vor 15 Tagen gemacht habt? Wahrscheinlich nur im Ausnahmefall. Hier in Bogota ist mir das während den letzten zwei Tagen gleich doppelt an den Kopf geworfen worden. “No sé!” (“Ich weiss nicht”) war jeweils meine Antwort. Inzwischen bin ich schlauer geworden. Ich mag keine mathematischen Beweise, aber leider ist die Antwort auf das Rätsel nur so zu erklären: Mit 15 Tagen sind hier zwei Wochen gemeint, also 14 Tage ;). Einer Woche entsprechen hier in Kolumbien auch sieben Tage, aber sagt man “in einer Woche” meint man acht Tage. Ganz schön verwirrend? Die Kolumbianer zählen jeweils den aktuellen Tag mit –> MO DI MI DO FR SA SO MO = 8 Tage…so einfach ist es :)!

4. Wie Fliegen auf einem Misthaufen, gibt es in Bogota “fliegende” Händler. An jeder Strassenecke verkaufen sie Zigaretten, Süssigkeiten, Getränke, brutzeln Empanadas oder Arepas, oder pressen die heissbegehrten Fruchtsäfte. Was die Strassenhändler von Kolumbien einzigartig macht, ist der Verkauf von “Telefongesprächen”. Für einige Rappen in der Minute kann man mit dem Handy des Händlers einen Anruf tätigen. Das Angebot wird rege benutzt und ist vorallem für “telefonlose” Touristen eine gute Alternative zum Erwerb eines Mobiltelefones.

US Navy5. Das Eltern für ihre Kinder immer verrücktere Namen ausdenken, ist nichts Neues. Auch in der Schweiz werden immer mehr Trendnamen vergeben. Ob diese Namen schöner sind und dem Kind damit gedient ist, bleibt ein Streitthema. Alles nichts gegen die Kreativität der Kolumbianer. Was gibt es doch schöneres als sein Kind nach einer Persönlichkeit aus der westlichen Welt zu benennen? So findet man gerade in meinem Alter junge Damen mit dem Namen “Leidi Diana”, etwas moderner “Leydi Diana”, oder auch ganz klassisch “Lady Diana”. Mein lieblings Männername hat den Ursprung in Nordamerika und lautet “Usnavy”, die Schwester könnte man dann passend mit dem Namen “Usmail” (nein, das ist in diesem Fall kein islamischer Name) betiteln. Mal schauen ob die Generation bald durch kleine Obamas und Leidi Gagas ersetzt wird :).

6. Armani tragen, Ferrari fahren, Champagner trinken, die Welt der Statussymbole. In Bogota gibt es eine weitere Möglichkeit seinen “Reichtum” den Mitmenschen zu zeigen: Bei McDonald’s essen! Der McDo oder auch die einheimische Hamburgerkette “El Corral” sind wahre Hochpreisinseln. Der McDonald’s ist auch in der Schweiz masslos überteuert, kann man doch für den Preis im einen oder anderen Restaurant mittagessen. In Bogota findet man den McDo vorallem im Norden, im Stadtteil der wohlbetuchten. Ein Menü kostet hier gegen die zehn Franken, das sind mehr als drei Mittagessen (Suppe, Hauptgang und Getränk) in einem lokalen Restaurant. Da wundert man sich nicht, dass es tatsächlich Leute geben soll, die ihren Pappbecher vom Fastfoodgiganten den ganzen Tag mit sich herumtragen, um ihr Vermögen…sprich ihre Dummheit der ganzen Stadt zur Schau zu stellen.

7. Manche kuriosen Traditionen sterben gerne mit der Zeit aus, da sie nicht mehr in die moderne Welt passen. Ich glaub davon können unsere Grosseltern Bände erzählen. Ums Sterben geht es auch bei der nächsten Kuriosität, die ich entdeckt habe. Beim Stadtbummel mit meiner Klasse sind mir die “Funerarias” aufgefallen. Auf gut Deutsch sind das  Beerdigungsinstitute, wo der Leichnam kurz nach dem Tod für alle Angehörigen und Bekannten ausgestellt wird. Meine Lehrerin erklärt mir, das auf dem Land hierzu öfters Leute angeheuert werden, um als “Weiner” an der Besichtigung teilzunehmen (Nordkoreaner eigenen sich dafür wohl besonders gut :)). Der Abschiedsgottesdienst findet dann in der Kirche statt. Dieser Gottesdienst wird seit neustem öfters per Webcam übertragen, so dass auch Bekannte in der Ferne dem Verstorbenen die letzte Ehre erweisen können.

Kommentare

25. April 2012 20:46:07Patrick

nice story bro! hehe =)


3. Mai 2012 10:46:22Mädi

nice ;)


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